Geschichte

Der Musikverein "Melodia" Damscheid e.V. besteht seit 1967. Doch schon lange Zeit vor der offiziellen Gründung gab es in Damscheid Bestrebungen zur Blasmusik.

In den frühen zwanziger Jahren kaufte sich Heinrich Schön eine Posaune, nahm Stunden beim "Alten Mühlem" in Oberwesel und schloss sich der in Oberwesel schon bestehenden Feuerwehrkapelle an. Bald traten noch Franz Vogel, Alois Vogel und Johann Lanius aus Damscheid hinzu.

 

Im Jahre 1930 veranlasste der Feuerwehrhauptmann Jakob Becker die Damscheider Musikanten zur Gründung einer eigenen Feuerwehrkapelle. Feuerwehrhauptmann Becker, selbst ein begeisterter Musikliebhaber, dessen Talent sich mit Sicherheit auf sein Enkelkind und heutigen Dirigenten Gerd Becker übertragen hat, sorgte dafür, dass die ersten Uniformen aus der Feuerwehrkasse bezahlt wurden: weiße Hosen, marineblaue Jacken und hohe Schirmmützen. Ganz Damscheid war stolz auf seine erste Musikkapelle. Instrumente wurden aus eigener Tasche bezahlt. Geliefert wurden sie aus Thüringen. Es war schon ein Dorfereignis als Posthalter Willi Kees sen. sie mit seinem Pferd in Oberwesel am Bahnhof abholte. Schon 1930 war das Gasthaus Stahl Übungslokal.

 

Bald jedoch gab es Unstimmigkeiten und die Kapelle wurde aufgelöst. Einige Musiker traten dem Oberweseler Kolpingorchester bei. Heinrich Schön, Franz Vogel, Rudolf Bernd, Lorenz Baumgarten und Alois Vogel bildeten eine Dorfkapelle, die zu den wichtigsten kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen spielte. Dann kam der zweite Weltkrieg. Vier Musiker fielen, drei weitere heirateten auswärts. Das musikalische Leben in Damscheid kam zum Erliegen.

Doch 2 Jahre nach Kriegsende kam Josef Federhen aus englischer Gefangenschaft nach Hause. Er brachte ein großes Akkordeon mit und stellte eine 5-Mann-Kapelle zusammen:

Josef Federhen (Akkordeon)

Franz Vogel (Trompete)

Werner Henrich (Trompete)

Siegfried Höllen (Klavier)

Hermann Hübel (Schlagzeug)

Man benannte die Tanzkapelle nach einem Schlagertitel der Nachkriegszeit: "Melodia". Die Instrumente aus der Vorkriegszeit waren bis auf das Trommelfell der großen Trommel (man nahm ein Bockfell) noch vorhanden. Mit Josef Federhen begann somit eine neue Ära der musikalischen Tätigkeit in Damscheid. Bis zum Jahre 1967 und darüber hinaus hatte Damscheid Tanzkapellen in verschiedenster Größe, Besetzung und Qualität. Namen wie Walter Vogel, Alwin Vogt, Rudi Kunz, Siegfried Vogel, Karl Heinz Baumgarten, Alois Hübel und Heinz Müller zeugen von der wechselvollen Geschichte dieser Kapellen.

 

Als am 7. Mai 1967 der neue Pastor, Herr Alois Vogel, in die Pfarrei eingeführt wurde, fand sich der Rest aller bisherigen Tanzkapellen aus Damscheid zusammen, um der Feier den nötigen würdigen Rahmen zu geben. Dieser gelungene Auftritt veranlasste Josef Federhen und Franz Vogel, wieder eine richtige Blaskapelle zu gründen. Es war ganz natürlich, dass die Frage nach dem nötigen Startkapital großgeschrieben wurde. Aus diesem Grund lud man die Vorstände der örtlichen Vereine zu einer Besprechung ins Gasthaus Horn ein. Spenden aller Ortsvereine, eine eigene Kollekte in der Kirche und eine Haussammlung erbrachten eine stolze Summe, von der Instrumente gekauft werden konnten.

 

Und dann ging es mit Eifer ans Werk. Die Männer der ersten Stunde waren:

Franz Vogel

Rudi Kunz

Siegfried Vogel

Ludwig Bach

Walter Vogel

Alwin Vogt

Rudi Vogel

Alois Hübel

Horst Federhen

Hermann Hübel

und Josef Federhen.

 

Die "Melodia" war gegründet. Erster Vorsitzender und Dirigent war Josef Federhen.

 

Jahre des Aufbaus und der Ausbildung von Nachwuchs folgten. 1973 wurde das erste Musikfest in Damscheid mit Begeisterung gefeiert.

 

Im Jahre 1974 wurde Walter Vogel zum Vorsitzenden gewählt und Heinz Müller übernahm die Dirigententätigkeit. Das 10-jährige Vereinsjubiläum feierte man im Mai 1977 mit dem Bundesspielmannszug Lank-Latum und zahlreichen befreundeten Musikvereinen. Im September 1978 legte Heinz Müller sein Amt nieder, sein Nachfolger wurde Gerd Becker.

 

Lange Zeit war die Damscheider Blasmusik eine Männerdomäne. Dies sollte sich mit den ersten Mädchen ändern, die im Mai 1979 ihre musikalische Ausbildung begannen und in den Verein integriert wurden. Die jungen Damen sind heute nicht mehr aus dem Verein wegzudenken, stellen sie doch neben der Vervollkommnung des klanglichen Vereinsbildes auch eine optische Bereicherung dar.

 

1981 wurde ein neuer erster Vorsitzender als Nachfolger von Walter Vogel gewählt. Neuer "Chef" war dann bis 1995 Siegfried Vogel, der den Verein durch seine lange Tätigkeit geprägt hat. 1986 veranstaltete die "Melodia" erstmals ihr jährlich stattfindendes Osterkonzert. Zur Vorbereitung auf dieses neu entstandene "Highlight" des Jahres werden seither regelmäßig Probenwochenenden durchgeführt.

 

Ein weiteres wichtiges Ereignis in der Vereinsgeschichte ist der Aufbau der freundschaftlichen Verbindung zum Harmoniecorps aus Riethoven (Holland). Die Partnerschaft wurde mit dem ersten Besuch der niederländischen Freunde beim Oktoberfest 1989 offiziell besiegelt und durch gegenseitige Besuche vertieft.

Das 25-jährige Vereinsjubiläum wurde im Sommer 1992 mit einem großen Musikfest gefeiert, zu dem neben den Musikkollegen aus Holland noch viele befreundete Vereine nach Damscheid kamen.

 

1995 wurde in der Vereinsführung ein Generationswechsel vollzogen. Siegfried Vogel übergab das Ruder an Achim Vogel, der im ersten Jahr seiner Tätigkeit, nicht allein mit einem gelungenen Oktoberfest, zeigte, dass nicht nur die langjährige Erfahrung der "alten Hasen", sondern auch die neuen Ideen der Jugend für einen Verein wichtig sind.

 

Das 30-jährige Jubiläum im Jahre 1997 feierte man in drei Etappen: Ein gemeinsames Jubiläumskonzert im Mai mit den Musikfreunden aus Riethoven, die Ausrichtung der Kirmes und ein Oktoberfest mit befreundeten Musikvereinen.

 

Ein Schwerpunkt in der Amtszeit von Achim Vogel war die Reform der Jugendausbildung. Mit einer gezielten Nachwuchswerbung, einem Info-Nachmittag, einer gut organisierten musikalischen Ausbildung und weiteren Aktivitäten, wie z.B. der Einführung eines Vorspielnachmittags, wurden im Laufe der Jahre viele Jugendliche an unterschiedlichen Instrumenten ausgebildet. Der Größte Erfolg war im Jahr 2003 zu verzeichnen, als auf einen Schlag 17 Jugendliche in das Orchester integriert wurden.

 

Auch bei der Ausrichtung des Jahreskonzertes gab es einige Neuerungen. Zum einen wurde der Saal nur noch mit Stuhlreihen bestückt, was bei Zuhörern und Musikern gleichermaßen großen Anklang fand. Ferner wurde der Konzerttermin um 2 Wochen nach vorne verlegt, so dass aus dem Osterkonzert ein Frühjahrskonzert wurde.

 

Im Jahre 2007 wurde Michael Stahl zum Nachfolger von Achim Vogel an die Spitze des Vereins gewählt.

 

Insgesamt betrachtet ist der Verein vielfach aktiv. Neben dem Jahreshöhepunkt Frühjahrskonzert spielt man Frühschoppen, Umzüge, Kommersabende sowie Ständchen zu den verschiedensten Anlässen. Im kirchlichen Bereich gestaltet man Feste wie Palmsonntag, Fronleichnam und St. Martin. Weiterhin veranstaltet der Musikverein im Wechsel mit anderen Dorfvereinen die Kirmes oder das Oktoberfest, das in den ersten Jahren nach der "Erfindung" durch die "Melodia" auch ausschließlich von ihr gestaltet wurde.

 

Auch die Geselligkeit kommt mit Weihnachtsfeiern, Wanderungen, Grillabenden und Ausflügen nicht zu kurz. Der Nachwuchs wird und wurde in Damscheid größtenteils durch Aktive des Vereins ausgebildet, in manchen Fällen auch von der Kreismusikschule. Begleitet wird die Ausbildung des Einzelnen mit verschiedenen Gruppenaktivitäten. Dazu gehören neben einem Vororchester zur Erleichterung des Einstiegs bei den "Großen" auch außermusikalische Veranstaltungen wie Zeltlager, eigene Treffen oder Ausflüge (z.B. zum Schlittschuhlaufen), die von den Jugendvertreterinnen organisiert werden.

 

Heute zählt der Verein 35 aktive und ca. 140 inaktive Mitglieder. Es bleibt zu hoffen, dass viele Musikbegeisterte mit ihrem Engagement die "Melodia" so aktiv und "harmonisch" wie bisher erhalten.

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